Bei meinem Krankenhausaufenthalt schaut man gerne mal ins Spielregal der Station. Nun ja, Puzzle ohne Ende, Klassiker wie Phase 10 und Uno waren vorhanden und eben auch diese lange, „olle“ Schachtel: Palermo. Angeblich auf der Spiel-des-Jahres-Liste von 1992. Na, warum nicht ausprobieren? Schlechter als das Krankenhausessen wird’s schon nicht sein.
In Palermo ziehen wir durch die Stadt und kassieren die Einnahmen unserer Geschäfte. Klingt nach Mafia, fühlt sich aber eher nach einem Spaziergang mit Buchhaltung an.
Zuerst bauen die Spieler mit Straßen- und Geschäftsplättchen gemeinsam die Stadt auf, danach klappern sie ihre eigenen Geschäfte ab. Jedes besuchte Geschäft erhöht die Bewegung für die folgenden Züge, übrig gebliebene Bewegung bringt Punkte, und mit einem Polizeimarker kann man den anderen den Weg vermiesen.
Mir gefällt, wie die Spieler die Stadt aufbauen und wie jedes besuchte Geschäft die Bewegung in den folgenden Zügen beeinflusst. Dadurch werden die Züge im Laufe des Spiels immer wichtiger. Der erste Teil und die Idee sind also gar nicht schlecht, da steckt Potenzial hinter.
Es ist allerdings kein besonders tiefgründiges Spiel. Es könnte auch ums Pizzaausliefern gehen und wäre trotzdem dasselbe Spiel. Auch das Punktesystem ist recht merkwürdig, sodass es oft von Vorteil ist, kurz vor dem Ziel anzuhalten und eine Runde abzuwarten. Völlig idiotisch finde ich die Zinsregel: Wer alle Chips eingesammelt hat und am Brunnen angekommen ist, kassiert weiter, während die anderen noch unterwegs sind. Offenbar hat die Mafia eine ziemlich gute Altersvorsorge.
Am Ende bleibt für mich eine gute Grundidee, die eine Überarbeitung braucht. Ich hätte da tatsächlich einige Ideen: Worker-Placement-Felder, Diebstahl, Verbrecherfiguren etc. Es juckt mich in den Fingern, das anzugehen und daraus etwas Spielbares zu zaubern. Bis dahin bleibt die Pizza leider lauwarm.






Hat mir gefallen
- Gemeinsamer Stadtaufbau mit Straßen- und Geschäftsplättchen
- Jedes besuchte Geschäft erhöht die Bewegung – Züge werden immer wichtiger
- Gute Grundidee mit Potenzial
Weniger gut
- Kein tiefgründiges Spiel – Thema beliebig austauschbar
- Merkwürdiges Punktesystem
- Völlig unsinnige Zinsregel
Fazit
Eine gute Grundidee, die eine Überarbeitung bräuchte. Fühlt sich weniger nach Mafia an als nach einem Spaziergang mit Buchhaltung – die Pizza bleibt lauwarm.
Ursprünglich am 13. Oktober 2026 auf Instagram veröffentlicht.